Die Ehe als politische Institution

Es ist die Ehe als politische Institution, die ich in Betracht ziehen möchte, und nicht die Ehe als Angelegenheit der privaten Moral jedes Einzelnen. Die Ehe ist gesetzlich geregelt und wird als eine Angelegenheit betrachtet, in der die Gemeinschaft das Recht hat, sich einzumischen. Es geht mir nur um das Handeln der Gemeinschaft in Bezug auf die Ehe, um die Frage, ob die gegenwärtige Aktion das Leben der Gemeinschaft fördert und wenn nicht, in welcher Weise sie verändert werden sollte.

Es gibt zwei Fragen, die in Bezug auf jedes Ehe-System gestellt werden müssen: erstens, wie es die Entwicklung und den Charakter der betroffenen Männer und Frauen beeinflusst; zweitens, welchen Einfluss es auf die Verbreitung und Erziehung von Kindern hat. Diese beiden Fragen sind völlig verschieden, und ein System kann aus einem dieser beiden Gesichtspunkte durchaus wünschenswert sein, wenn es von dem anderen sehr unerwünscht ist. Ich schlage vor, zunächst das gegenwärtige englische Recht und die öffentliche Meinung und Praxis in Bezug auf die Beziehungen der Geschlechter zu beschreiben, dann ihre Auswirkungen auf Kinder zu untersuchen und schließlich zu überlegen, wie diese schlechten Auswirkungen durch ein System verhindert werden könnten, das auch den Charakter und die Entwicklung von Männern und Frauen besser beeinflussen würde.

Das Gesetz in England basiert auf der Erwartung, dass die große Mehrheit der Ehen lebenslang sein wird. Eine Ehe kann nur aufgelöst werden, wenn entweder die Ehefrau oder der Ehemann, aber nicht184 beide, nachweislich Ehebruch begangen haben. Wenn der Ehemann der „Schuldige“ ist, muss er sich auch der Grausamkeit oder Desertion schuldig machen. Selbst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können in der Praxis nur die Wohlhabenden geschieden werden, weil die Kosten sehr hoch sind.17 Eine Ehe kann nicht aufgelöst werden wegen Wahnsinn oder Verbrechen, wegen Grausamkeit, wie abscheulich sie auch sein mag, wegen Desertion oder wegen Ehebruchs durch beide Parteien; und sie kann nicht aus irgendeinem Grund aufgelöst werden, wenn Mann und Frau sich darauf geeinigt haben, dass sie die Auflösung wünschen. In all diesen Fällen betrachtet das Gesetz den Mann und die Frau als lebenslang miteinander verbunden. Ein Sonderbeamter, der Proctor des Königs, wird eingesetzt, um die Scheidung zu verhindern, wenn es zu Absprachen kommt und beide Parteien Ehebruch begangen haben.18

185 Dieses interessante System verkörpert die Meinungen der Church of England vor etwa fünfzig Jahren und der meisten Nonkonformisten damals und heute. Es beruht auf der Annahme, dass Ehebruch Sünde ist, und dass, wenn diese Sünde von einer Seite der Ehe begangen wurde, die andere das Recht auf Rache hat, wenn sie reich ist. Aber wenn beide die gleiche Sünde begangen haben, oder wenn derjenige, der sie nicht begangen hat, keinen gerechten Zorn verspürt, dann gibt es kein Recht auf Rache. Sobald diese Sichtweise verstanden ist, wird das zunächst etwas seltsam anmutende Gesetz als vollkommen konsistent empfunden. Es stützt sich im Großen und Ganzen auf vier Sätze: dass der Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe Sünde ist; (2) dass der Ehebruch durch die „unschuldige“ Partei ein gerechter Horror des Unrechts ist; dass seine Ressentiments, aber nichts anderes, zu Recht als die Unmöglichkeit eines gemeinsamen Lebens angesehen werden kann; (4) dass die Armen kein Recht auf feine Gefühle haben. Die Kirche von England, unter dem Einfluß der Hohen Kirche, hat aufgehört, dem dritten dieser Sätze zu glauben, aber sie glaubt immer noch dem ersten und zweiten und tut nichts aktiv, um zu zeigen, daß sie den vierten nicht glaubt.

Die Strafe für Verstöße gegen das Ehegesetz ist zum Teil finanziell, hängt aber hauptsächlich von der öffentlichen Meinung ab187. Ein ziemlich kleiner Teil der Öffentlichkeit glaubt wirklich, dass sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe böse sind; diejenigen, die dies glauben, werden natürlich in Unkenntnis des Verhaltens von Freunden gehalten, die sich anders fühlen und in der Lage sind, durchs Leben zu gehen, ohne zu wissen, wie andere leben oder was andere denken. Dieser kleine Teil der Öffentlichkeit betrachtet nicht nur Handlungen, sondern auch Meinungen als verdorben, die gegen seine Prinzipien verstoßen. Sie ist in der Lage, die Berufe der Politiker durch ihren Einfluss auf die Wahlen und die Stimmen des Oberhauses durch die Anwesenheit der Bischöfe zu kontrollieren. Auf diese Weise regelt es die Gesetzgebung und macht jede Änderung des Ehegesetzes nahezu unmöglich. Sie kann auch in den meisten Fällen sicherstellen, dass ein Mann, der offen gegen das Eherecht verstößt, aus seinem Arbeitsverhältnis entlassen188 oder durch den Übertritt seiner Kunden oder Klienten ruiniert wird. Ein Arzt oder Anwalt oder ein Händler in einer ländlichen Stadt kann weder seinen Lebensunterhalt bestreiten, noch kann ein Politiker im Parlament sein, wenn er öffentlich als „unmoralisch“ bekannt ist. Was auch immer das eigene Verhalten eines Mannes sein mag, er ist nicht geeignet, öffentlich diejenigen zu verteidigen, die gebrandmarkt wurden, damit nicht ein Teil des Odiums auf ihn fällt. Doch solange ein Mensch nicht gebrandmarkt ist, werden ihm nur wenige Menschen widersprechen, was auch immer sie privat über sein Verhalten in dieser Hinsicht wissen mögen.

Aktuell:

  • Judo – Neue Anfängerkurse

    Die Judo-Abteilung des Heidelberger Judo Clubs bietet für alle Altersgruppen neue Anfängerkurse an, zu denen wir alle Interessierten herzlich einladen:

    Alter Wochentag Uhrzeit Kursbeginn
    Kinder 15 – 17 Jahre Montag 16:30 – 17:30 Uhr 23.11.2009
    18 – 11 Jahre Dienstag* 15:30 – 16:30 Uhr 12.01.2010
    Jugendliche 12 – 15 Jahre Donnerstag 16:00 – 17:30 Uhr 26.11.2009
    Erwachsene ab 16 Jahren Donnerstag 20:30 – 22:00 Uhr 26.11.2009

    * Für diesen Kurs bitten wir um vorherige Anmeldung!

    Auch in den Kursen, die bereits begonnen haben, ist ein Einstieg noch problemlos möglich. Es sind noch ausreichend freie Plätze vorhanden.

    Für die ersten Trainingseinheiten ist normale Sportbekleidung ausreichend. Ein Judoanzug kann danach, auf Wunsch, kostengünstig über den Verein bezogen werden. Die ersten vier Wochen gelten bei uns als Probezeit und sind somit kostenlos.

    Um besser planen zu können, bitten wir um Anmeldung bei unserem Judo-Obmann. Selbstverständlich können Interessierte aber auch einfach zur oben genannten Zeit vorbeikommen.

  • Capoeira – mehr Training im Heidelberger Judo Club

    Capoeira verbindet Elemente aus Tanz, Musik, Akrobatik und Kampf. Die Wurzeln dieser Sportart finden sich zu Zeiten der Sklaverei in Brasilien. Inzwischen hat sich Capoeira zu einem modernen Kampfsport mit verschiedenen Stilrichtungen entwickelt, der überall auf der Welt trainiert wird und starken Zulauf hat.

    Seit Mai 2009 gibt Professor Baiano, professioneller brasilianischer Capoeira-Trainer der Gruppe „Cadencia Capoeira“, im Heidelberger Judo Club, zusätzlich zu den Terminen der freien Capoeira-Gruppe, Training für Anfänger und Fortgeschrittene. Weitere Informationen zu diesem Training finden sich unter www.capoeira-hd.de.

    Montag 20:30 – 21:15 Uhr Musiktraining für alle (Professor Baiano)
    21:15 – 22:00 Uhr Anfängertraining (Professor Baiano)
    Dienstag 18:00 – 20:00 Uhr Training für Fortgeschrittene (Professor Baiano)
    Mittwoch 20:00 – 21:30 Uhr Anfängertraining (Professor Baiano)
    Donnerstag 14:30 – 16:00 Uhr Kindertraining (Professor Baiano)
    Freitag 19:30 – 21:30 Uhr Training für Fortgeschrittene (Professor Baiano)
    Sonntag 16:00 – 17:30 Uhr freie Gruppe; Capoeira Regional